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Neben der Schrift selbst, ist die Anordnung der Schriftblöcke auf einer Seite und der dabei verbleibende freie Raum das zweite wesentliche Gestaltungselement der Typographie. Die wichtigsten Themen dieser Rubrik sind:
• Formatauswahl • Satzspiegelfestlegung • Texte im Satzspiegel
Was ist ein Satzspiegel?
Der Satzspiegel legt fest, wo auf einer Seite Texte und Graphiken bzw. Bilder liegen und welche Maße und Abstände sie haben. Dies wird häufig auch als das Layout einer Seite bezeichnet. Der Satzspiegel gerät bei technischen Dokumenten und Lehrbüchern, die Information kompakt und zusammenhängend präsentieren sollen, leicht in den Konflikt zwischen Ästhetik und Funktion. Zuweilen wird jedoch übersehen, dass auch die Ästhetik eine Funktion besitzt - nämlich die, beim Leser Gefallen und damit Akzeptanz zu finden.
Konzipiert man ein Dokument vollkommen neu, so ergibt sich dafür folgende sinnvolle Vorgehensweise:
1. Festlegung des Seitenformats 2. Definition des Satzspiegels 3. Festlegen des Gestaltungsrasters und der Textspalten 4. Festlegen von Text- und Stilelementen 5. Anlegen des Dokuments und Eingabe des Inhalts 6. Feinkorrekturen im Umbruch
Proportionen der Seite
Die erste Festlegung für den Satzspiegel ist die Seitengröße des Dokuments. Die Formate A4 und A5 bieten sich hier zwar zunächst an, müssen aber keinesfalls die idealen Größen sein. So mag DIN A4 zwar für Briefe, Datenblätter und Produktkataloge akzeptabel sein, als Buch, Handbuch, Kurzanleitung oder Gebrauchsanweisung ist es jedoch unhandlich groß. Das A5-Format wiederum ist für viele Zwecke zu klein und hat ein unpraktisches Seitenverhältnis. Quadratische Formate sollten Ausnahmen vorbehalten sein.
Die kleinen schmalen Formate eignen sich besser zum Lesen, wenn das Buch in der Hand gehalten wird, die größeren und breiteren Formate, wenn das Dokument aufgeschlagen auf dem Tisch gelesen wird.
Die Festlegung der Seitengröße geschieht bei den meisten DTP-Programmen beim Anlegen eines neuen Dokuments. Die Größe wird dabei entweder aus einer existierenden Vorlage oder einem Menü übernommen oder explizit angegeben. Häufig ist aus historischen oder praktischen Gründen die Seitengröße bereits festgelegt. Jedoch auch dort lohnt sich zuweilen, diese nochmals zu überdenken und auf ihre Eignung für das Dokument zu prüfen.
Festlegen des Satzspiegels
Ist die Seitengröße festgelegt, gilt es, im nächsten Schritt den Satzspiegel innerhalb der Seiten zu definieren. Im erweiterten Sinne sind dies alle jene Bereiche der Seite, die bedruckt werden.
Die Abbildung zeigt dazu einige typisch vorkommende Elemente bzw. Bereiche. Dazu gehören der eigentliche Textbereich einschließlich der Fußnoten, die zumeist vorhandene Seitenziffer, die als Pagina bezeichnet wird, und die eventuell vorhandene Randspalte, welche die Typographen Marginalspalte oder Marginalien nennen.
Zusätzlich können noch Kopf- und Fußzeilen vorhanden sein, die man in der Typographie als Kolumnentitel bezeichnet, weil sie zumeist über einer Textspalte stehen und oft Zusatzinformation wie etwa den Titel des Kapitels in der Textspalte angeben.

Die Stege beim Satzspiegel
Der eigentliche Satzspiegel, d.h. der Bereich, der von Text und Graphiken eingenommen werden soll, wird von vier Randbereichen eingerahmt. Es gilt zunächst, diese Ränder um den eigentlichen Druckbereich festzulegen.
Die Ränder werden Stege genannt, und zwar Innensteg, Kopf- und Fußsteg, sowie Außen- oder Seitensteg. Beim Innensteg, häufiger noch als Bundsteg bezeichnet, sollte man den optischen und den realen Innensteg unterscheiden.
Für die ästhetische Gestaltung betrachtet man zunächst nur den sichtbaren Innensteg. Diesem wird später ein eventuell notwendiger Binderand zugeschlagen, den man beim aufgeschlagenen Dokument nicht wahrnimmt oder der beim Binden mit Spiralen oder beim Ringordner durch die Ringe optisch etwas abgetrennt wird.

Ein- oder doppelseitiges Seitenlayout
Die Einstellung „einseitig“ oder „doppelseitig“ legt bei DTP-Programmen fest, ob das Dokument aus einer Folge gleich aussehender Seiten bestehen soll oder ob das Layout eine rechte und eine linke Seite vorsieht. Bei mehrseitigen Dokumenten sollte man stets von Anfang an ein doppelseitiges Layout konzipieren. Dabei sind grundsätzlich die linken Seiten jene mit geraden Seitennummern und die rechten Seiten jene mit ungeraden Seitennummern. Im Normalfall beginnt das Dokument mit der rechten Seite.
Der Fußsteg sollte etwas größer als der Kopfsteg gewählt werden und der Kopfsteg wiederum größer als der Seiten- bzw. Außensteg. Ein ansprechender Satzspiegel ergibt sich, wenn man die Stege in folgendem Verhältnis aufteilt:
2 : 3 : 4 : 5 (Innensteg : Kopfsteg : Außensteg : Fußsteg)
Konkret erhält man ein großzügiges Layout, wenn der Satzspiegel 2/3 und die Stege 1/3 der Seitenbreite einnehmen. Für die beiden häufig verwendeten Formate DIN A4 und DIN A5 bedeutet das folgendes:
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Innensteg
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Außensteg
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Kopfsteg
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Fußsteg
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DIN A4
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10 mm
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20 mm
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15 mm
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25 mm
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DIN A5
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8 mm
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16 mm
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12 mm
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20 mm
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Der Satzspiegel ist bei A4: 140 mm x 204 mm; bei A5: 100 mm x 145 mm
Eine ähnliche Aufteilung ergibt sich, wenn man Hilfsdiagonalen zeichnet und den Satzspiegel mit Punkten auf diesen Diagonalen führt. Der Vorteil dieser Methode liegt darin, dass man mit DTP ohne groß zu rechnen das Satzspiegelrechteck mit der Maus aufziehen kann.

Viel weißer Raum und damit breite Stege verleihen einem Layout Großzügigkeit. Dies kann bei einem Geschäftsbericht oder einem Werbeprospekt angebracht sein, nicht jedoch bei Projektarbeiten, Fachbüchern etc. Verwendet man hingegen Marginalspalten, gewinnt man Platz für Anmerkungen und Hinweise, gibt dem Leser die Möglichkeit, eigene Notizen und Anmerkungen hinzuzufügen und das Gesamtbild wirkt durch den freien Raum großzügig ohne verschwenderisch zu erscheinen.
Der Gestaltungsraster
Ist der Satzspiegel geschaffen, wird im nächsten Schritt überlegt, wie die Informationen wie Textspalten und Abbildungen innerhalb des Satzspiegels angeordnet werden sollen. Das dafür festgelegte Schema wird als Gestaltungsraster bezeichnet. Bei einem Brief, einer Projektarbeit und bei den meisten Handbüchern wird man im Grunddesign zunächst mit einer Spalte arbeiten, bei Zeitschriften, Datenblättern etc. mit mehreren Spalten, die auch noch möglichst flexibel angeordnet werden können.
Die Breite wird einerseits vom definierten Satzspiegel vorgegeben und andererseits von Überlegungen zur optimalen Lesbarkeit von Texten (hängt mit den Lesegewohnheiten bzw. dem Leseprozess zusammen). Die Breite einer Spalte muss auch auf die verwendete Schriftart und den Schriftgrad der Grundschrift abgestimmt sein. Für einen optimalen Lesefluss sollte die Textspalte zwischen 45 und 65 Zeichen der Grundschrift aufnehmen können oder 6 bis 10 Worte. Sind die Zeilen kürzer als 45 Zeichen, so kommt es beim Blocksatz zu hässlich großen Wortzwischenräumen. Ist man gezwungen, schmale Spalten zu verwenden, so kann man entweder eine schmal laufende, magere Schrift oder einen kleineren Schriftgrad einsetzen. Beides ist jedoch für große Lesemengen nicht geeignet.
Möchte man auch vertikal übereinander mehrere Spalten anlegen (dies ist z.B. bei Zeitschriften und Datenblättern häufig der Fall) oder möchte man größere Abbildungen systematisch und optisch attraktiv im Layout vorsehen, so sollte man auch einen vertikalen Raster konzipieren.

Werden innerhalb eines Seitenlayouts Informationsblöcke in komplexer Verschachtelung angeordnet, so sollte der weiße Rand um die Elemente auf allen Seiten etwa gleich groß sein.
Stilelemente im Satzspiegel
Steht der Satzspiegel fest, gilt es die Text- und Stilelemente zu definieren, die immer wieder im vorkommen, d.h. die Schriftart und -größe von
• Grundschrift • Überschriften • Anmerkungen, Fußnoten, Aufzählungen usw.
Schriftgrößen
Die Schriftgröße der Grundschrift ist auf den Zweck des Dokuments, die Menge der Zeichen je Zeile, den Inhalt und auf den Leserkreis abzustimmen. In Präsentations- und Overheadfolien sollten keine längeren Textpassagen vorkommen. Es empfiehlt sich eine Grundschrift von mindestens 14, besser noch 16 pt; für Schlagworte und Merksätze sollte 18 pt oder größer verwendet werden. Auf einer Folie sollten auf keinen Fall mehr als 12 Zeilen stehen! Die beste Zahl liegt bei nur 4 bis 7 Stichworten oder Kurzaussagen, da dies aus Sicht der Aufnahme und der Erinnerungsfähigkeit von Menschen die optimalen Werte sind.
Als Konsultationsschrift bezeichnet man den Schriftgrad, in dem Anmerkungen, Hinweise und Fußnoten geschrieben werden. Die Schriftgröße für die Konsultationsschrift sollte ca. 2 Punkte unterhalb des Schriftgrades der Grundschrift liegen.
Überschriften
Überschriften müssen Texte gliedern und die schnelle Suche erleichtern. Deshalb sollten sie sich vom Grundtext abheben, sowohl durch die Stellung als auch durch ihre Auszeichnung und ebenso ihren Schriftgrad.

Die Größe, die man verwendet, ist sehr stark von der Art des Dokuments abhängig. Insbesondere bei Projektarbeiten ist eine deutliche Gliederung wünschenswert, wobei zu viele Gliederungsstufen schnell wieder zu Unübersichtlichkeit führen.
Auszeichnungsmöglichkeiten wie die Verwendung von Kapitälchen, kursiven und halbfetten oder fetten Schnitten ermöglichen häufig den Verzicht auf zu viele Schriftgrade.
Der Abstand oberhalb und unterhalb einer Überschrift sollte ausreichend groß und so gewählt sein, dass klar ist, zu welchem Teil die Überschrift gehört. Für Hauptüberschriften sollten davor mindestens zwei und danach mindestens eine Leerzeile Abstand vorhanden sein.
Häufig ist weißer Raum besser zur Gliederung geeignet als eine Vielzahl unterschiedlicher Schriftgrade. Auch ein Wechsel zwischen einer Antiqua-Schrift als Werkschrift und einer Grotesk-Schrift als Auszeichnungsschrift und für Überschriften bietet sich an. Verwendet man Trennlinien, so muss die Linienstärke der Strichstärke der Schrift entsprechen, bei den üblichen Werkschriften also etwa 0,5 Punkt.
Absatzuntergliederung
Absätze sind Informationseinheiten, die einen oder mehrere Sätze oder Aussagen zusammenfassen. Diese Einheit sollte weder zu klein noch zu groß gewählt werden. Zu lange Absätze schrecken den Leser ab und verhindern die Verständlichkeit des Textes. Achte einmal darauf, welche Längen Absätze in Zeitschriften haben, die auf das Leserinteresse des Käufers besonders stark angewiesen sind. Die typische Absatzlänge ist dort etwa 5 bis 15 Zeilen.
Absatzende und -anfang muss für den Leser leicht erkennbar sein. Dazu gibt es zwei Methoden:
- Der neue Absatz beginnt mit einem Erstzeileneinzug.
- Der neue Absatz beginnt linksbündig mit einer Leerzeile darüber.
In besonderen Fällen kann ein Absatzanfang auch durch Initialen oder Farbe gekennzeichnet sein. Diese Verfahren sind in der Regel aber auf Prospekte, Werbematerial usw. beschränkt. Überschriften dürfen ebenso wie die erste Zeile eines Absatzes nicht alleine am Ende einer Seite stehen. Der Überschrift sollten auf einer Seite zumindest zwei, besser drei Zeilen folgen.
Fußnoten
Fußnoten sind Zusatzinformationen zu einem Begriff oder Sachverhalt im Haupttext oder stellen Nebenbemerkungen bei komplexen Sätzen dar. Sie bestehen aus zwei Komponenten:
- dem Fußnotenzeichen, welches im Haupttext erscheint,
- der eigentlichen Fußnote, die am unteren Seitenende, am Kapitelende oder am Ende einer Arbeit steht
Das Fußnotenzeichen ist entweder ein Sonderzeichen (zB *) oder eine kleine fortlaufende Ziffer. Sonderzeichen sollen nur dann verwendet werden, wenn pro Seite nicht mehr als zwei Fußnoten zu erwarten sind; in allen anderen Fällen sind fortlaufende Nummern vorzuziehen.
Dem Fußnotenzeichen im Text sollte nichts vorangestellt werden; es sollte ihm jedoch auf alle Fälle ein Leerzeichen folgen, es sei denn, das Fußnotenzeichen steht unmittelbar vor einem Satzzeichen. Für das Fußnotenzeichen soll im Text immer ein kleines hochgestelltes Zeichen mit einem Schriftgrad von 2 bis 3 Punkt kleiner als die Werkschrift verwendet werden.
Fußnoten sollten möglichst am Seitenende stehen; Fußnoten am Kapitelende oder gar am Ende einer Arbeit stören den Lesefluss, da in diesem Fall ein ständiges Blättern zum Lesen der Fußnoten notwendig ist. Die Fußnotenzeile selbst hat den Schriftgrad der Konsultationsschrift. Der Text einer Fußnote schließt stets mit einem Punkt ab. Die erste Fußnote einer Seite wird vom Haupttext durch eine schmale, dünne Linie abgesetzt
Marginalien
Randspalten werden als Marginalien bezeichnet. Der Text in Marginalien wird stets im Flattersatz geschrieben und zwar mit der ausgerichteten Kante zur Haupttextspalte, d.h. in links stehenden Marginalien rechtsbündig und in rechtsstehenden linksbündig. In Marginalien wird die Konsultationsschrift verwendet, also ca. 2 pt unter der Werkschrift.
Trennungen sollten in Marginalien nur sparsam eingesetzt werden. Für Marginaltexte legt man in der Marginalspalte Textfelder an, die mit dem Absatz verankert werden, zu dem der Hinweis erfolgen soll.
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